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Dienstag, Juni 18, 2024

Das Red Bull Erzbergrodeo aus Sicht der Deutschen Piloten – Stimmen nach der Veranstaltung

114 deutsche Teilnehmer konnten sich über den IronRoad Prolog für das Finale des Red Bull Erzbergrodeos qualifizieren. Damit waren sie neben den österreichischen Hausherren das Land mit den meisten Teilnehmern.

Dass Manuel Lettenbichler erneut gewonnen hat, ist ja bereits bekannt. Aber wie ist es den anderen Fahrern ergangen? Wir haben einige Stimmen gesammelt und möchten euch diese nicht vorenthalten.

Platz 37 – Lenny Geretzky

Der Start war nicht ideal für mich, da es einen Frühstart gab. Ich konnte mich aber doch relativ schnell wieder etwas nach vorn kämpfen. Am ersten Checkpoint war ich schon auf Platz 23. Am Checkpoint 5 habe ich mich dann leider verfahren, da dort ein Baum umgefallen war – blöderweise genau dort, wo der Pfeil hing. Von Platz 54 konnte ich mich im Carl’s Diner dann aber wieder vorkämpfen und habe sieben Fahrer überholt. Am Ende konnte ich noch bis zum Checkpoint Cuckoo’s Nest fahren. Mit Platz 37 bin ich sehr happy. Es lief wirklich perfekt und hat viel Spaß gemacht.

Platz 59 – Florian Geisenhofer

Heuer war mein erstes Mal Erzberg. Mit Prolog-Startnummer 741 hatte ich schon einen ziemlich kaputten Prolog, und ein Sturz brachte mir nur Platz 130 ein. Samstagabend bin ich dann ohne große Erwartungen die Trial Challenge mitgefahren. Zu Beginn hätte ich niemals gedacht, dass ich um den Sieg mitfahren könnte, da viele spanische, englische und andere ausländische Profis am Start waren. Doch schnell merkte ich, dass auch die nur mit Wasser kochen, und dank meiner guten Starts konnte ich jedes Rennen mit einem Start-Ziel-Sieg gewinnen. Mit dem Sieg habe ich mir einen Platz in der ersten Startreihe gesichert.

Beim Hare Scramble kollidierte ich dann gleich mit Dieter Rudolf. In den Waldpassagen brauchte ich eine Weile, bis ich zurechtkam. Im Carl’s Diner Light konnte ich dann endlich verlorene Plätze gutmachen und meine Trial-Techniken nutzen. Allerdings war das gesamte Carl’s Diner extrem anstrengend und zermürbend. Danach hatte ich noch 15 Minuten Zeit für den nächsten Checkpoint „Machine“, den ich trotz Erschöpfung und Krämpfen fehlerfrei bewältigen konnte.

Im Carl’s Diner hat mir mein Vater einige gute Spuren gezeigt und super unterstützt. Er ist früher selbst schon beim Erzberg gestartet und hat auch zweimal gefinisht.

Mit meinem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, und nächstes Jahr hoffe ich, mit einer niedrigeren Startnummer im Prolog wieder am Start zu sein und noch weiter zu kommen.

Platz 68 – Rico Petzold

Freitag ging es los mit dem ersten Lauf des Iron Road Prologs. Dank meines Vorjahresergebnisses hatte ich mit Startplatz 84 eine super Ausgangsposition. Leider machte mir der starke Nebel auf den langen Trassen zu schaffen. Nach einem starken Verbremser nahm ich etwas Risiko raus, um nicht zu stürzen. Ich qualifizierte mich in Reihe 2 mit nur 3 Sekunden Rückstand auf Reihe 1. Am zweiten Prologtag hatte ich bessere Sicht, konnte aber meine Zeit nicht verbessern.

Somit ging es mit Platz 54 in das Hare Scramble. Vom Start bin ich gut losgekommen und konnte mich im Mittelfeld meiner Reihe halten. Leider verlor ich kurz vor Checkpoint 7 durch einen Stau viel Zeit und viele Plätze. In den harten Steinsektionen des legendären Carl’s Dinners konnte ich jedoch viele Fahrer überholen und mich bis Checkpoint 13 durchschlagen. Unglücklicherweise kam ich hier 36 Sekunden nach Ablauf des 4-Stunden-Zeitlimits an und wurde nicht mehr gewertet.

Insgesamt bin ich top zufrieden mit meiner Leistung und mit Platz 68 mehr als glücklich. Das Rennen war sehr anspruchsvoll, aber hat mega Spaß gemacht. Nächstes Jahr werde ich versuchen, noch eine Schippe draufzulegen.

Platz 70 – Paul-Erik Huster

Am Donnerstag beim Rocket Ride konnte ich bis ins Finale fahren und kam knapp als Vierter ins Ziel. Warum ich dort als Sechster gewertet wurde, weiß ich nicht. Es gibt mehrere Videos, die zeigen, dass ich als Vierter ins Ziel fahre.

Am ersten Prologtag konnte ich die 45. schnellste Zeit fahren. Da ich wusste, dass ich mich nicht verbessern könnte, ging ich am zweiten Tag nicht an den Start, da mir das Verletzungsrisiko zu hoch war.

Am Sonntag startete ich in der ersten Reihe und kam gut weg. Mein Rennen lief gut, ich hatte wenige Staus und konnte mein Rennen so gut es ging fahren. Nach Checkpoint 12 brach ich mein Rennen ab, da meine Kupplung defekt war und das Weiterfahren für mich keine sinnvolle Option mehr war.

Ich bin zufrieden mit meinem Wochenende. Ob ich im nächsten Jahr wieder am Start bin, steht noch in den Sternen.

Platz 81 – Marcel Teucher

Mein Ziel war es vor allem gesund zu bleiben und mich so gut wie möglich für das Hauptrennen zu qualifizieren um an meine früheren Ergebnisse anzuknüpfen. Im vernebelten und regnerischen Hochgeschwindigkeitsprolog erreichte ich Platz 174, was leider nur für die 4. Reihe Startreihe im Hauptrennen reichte. Ich schaffte es bis in den legendären Abschnitt Carls Diner und beendetet das Rennen am Checkpoint „George Avenue“ – einer der längsten und Steilsten Hänge am Berg. Die wirklich schweren Abschnitte liegen mir besonders und so konnte ich trotz der vielen Staus auf der Strecke bis auf Platz 81 nach vorn fahren.

Platz 101 – Eric Seifert

Freitag startete der erste Prologlauf. Leider hatte ich nur Startnummer 659, startete spät und hatte eine stark ausgefahrene Strecke. Dazu regnete es, was die Sicht bei bis zu 130 km/h erschwerte. Den Tag beendete ich auf Platz 336. Am zweiten Tag hatte ich gute Sicht, aber es gab immer noch langsamere Fahrer vor mir, die den Weg versperrten. Meine Leistung reichte für Reihe 7, womit ich nicht zufrieden war. Das schlechte Prologergebnis motivierte mich jedoch, am Sonntag im 4-Stunden-Finale alles zu geben.

15 Minuten nach Startreihe 1 wurde meine Reihe losgelassen. Kurz nach dem Start lief ich auf eine Gruppe langsamer Fahrer auf. Ein anderer Fahrer beschädigte meinen vorderen Kotflügel. Nach Checkpoint 1 lief es besser, ich überholte viele Fahrer. Ab Checkpoint 4 musste ich oft warten, aber durch gute Technik konnte ich schwerere Linien fahren und weitere Fahrer überholen. Bis Checkpoint 9 fühlte ich mich fit.

Auf Carl’s Dinner hatte ich mich besonders gefreut, weil dort meine Stärken liegen. Ich konnte viele Fahrer überholen, bis ich in eine Verbindungsauffahrt zum großen Carl’s Dinner kam. Dort war alles zu spät. Ein paar Linien konnte ich fahren und andere hinter mir lassen, aber dieser Ausgang ging nur über eine Fahrspur. Das kostete mich 45 Minuten, in denen ich nur mühsam und langsam vorankam. Als ich das große Carl’s Dinner erreichte, lief es wieder richtig gut. Ich machte extrem schnell Meter gut und konnte wieder einige Fahrer überholen.

Letztlich erreichte ich Checkpoint 10 und belegte Platz 101, womit ich sehr zufrieden bin. Ich habe über 200 Fahrer überholt und meine Stärken in den technisch anspruchsvollen Sektionen gezeigt.

Platz 106 – Arvid Meyer

Ich hatte einen guten Start aus der zweiten Reihe und konnte gut mitfahren. Ich glaube, ich war sogar der erste Deutsche aus der zweiten Reihe am Anfang.

Dann habe ich mich vor Checkpoint 7 ewig angestellt und versucht, eine andere Linie zu finden, um den Stau zu umgehen. Ich habe dann noch zwei anderen geholfen, die dann einfach abgehauen sind. Also musste ich wieder runter und es nochmal probieren. Als ich mich wieder anstellte, kamen schon Leute mit 200er Nummern. Als ich oben war, fuhr ich in der Gruppe mit und musste mich ständig anstellen und warten. Trotz der ganzen Warterei habe ich es bis Checkpoint 10 geschafft. Es wäre auf jeden Fall noch mehr drin gewesen, auch kräfte- und konditionsmäßig.

Platz 124 – Finn Hauff

Zum Anfang war es dieses Jahr schon mal besser als letztes Jahr, da ich mich gleich eine Reihe weiter vorne als 119 qualifizierte, also in Reihe 3. Ich startete neben Joshua Arnold und Niklas Niegelhell. Der Start verlief relativ gut, und ich konnte gut vorne mithalten. Im ersten Wald gab es natürlich schon Stau, aber dort konnte ich zum Glück schnell mein Moped an einem leeren Hang hochwerfen (fahren war nicht möglich). Nachdem ich an den Staus in den Waldstücken vorbei war, ging es eine Zeitlang zügig der Strecke entlang und ich konnte gut Checkpoints sammeln, bis ich kurz vor Checkpoint 9 einen kleinen Stau hatte.

Nach Checkpoint 9 ging es Richtung Carl’s Dinner, wo ich, nach einem riesigen Stau in den Abschnitten davor, landete. Leider hat mich die Hupe für das Ende des Rennens 20 Meter vor Checkpoint 10 im Carl’s Dinner erwischt. Ich habe alles gegeben, um noch durchzukommen, aber leider hat es nicht gereicht. Trotzdem bin ich zufrieden, alles gegeben zu haben.

Platz 172 – Niklas Albert

Zum Prolog: Ich startete mit der Nummer 248 und war am Start ziemlich nervös, das legte sich aber nach 50 Metern. Ich habe mich aufs Fahren konzentriert und darauf geachtet, nicht zu stürzen. An der zweiten Auffahrt bin ich jedoch zu weit gesprungen und ziemlich hart gestürzt. Ich rannte zurück zum Moped und konnte dann trotz des starken Nebels im oberen Teil unfallfrei ins Ziel fahren. Das Ergebnis war viel besser als erwartet: Platz 187. Am zweiten Prologtag entschied ich mich wegen des Unfallrisikos nicht zu starten, was zwar neun Startplätze kostete, aber ich behielt dennoch Platz 196 in Reihe 4.

Zum Start: Es war ein unbeschreibliches Gefühl, im Kessel zu stehen, wenn man sein erstes WM-Rennen vor sich hat. Ich war ziemlich aufgeregt und wollte den Start ruhig angehen, um nichts zu riskieren. Leider wurde ich direkt am ersten Hügel nach links abgedrängt und stürzte. Ab dann hatte ich immer wieder mit erheblichem Stau zu kämpfen, vor allem in den Waldpassagen. Ich kämpfte mich bis zum Little Carl’s Diner nach dem Steinfeld vor, bis die Zeit ablief. Es hat leider nicht mehr für den nächsten Checkpoint gereicht. Trotzdem bin ich überglücklich mit dem unerwarteten Ergebnis und erreichte trotz allem Platz 172.

Platz 470 – Leon Volland

Die Erzberg-Woche ist vorbei und es war wieder wie ein Traum für mich, dort zu fahren. Als kleines Kind habe ich dieses Rennen vor etwa fünf Jahren im Fernsehen gesehen und mir immer vorgestellt, dort zu fahren.

Wir starteten mit dem High-Speed-Prolog am Freitag und Samstag. Ich fühlte mich ziemlich gut und sicher auf dem Bike, aber ich bin immer noch nicht auf einem guten Niveau, wenn es um schnelles Fahren geht. Zusätzlich stürzte ich in einer schnellen Kurve und hatte oben viel Nebel und Regen, sodass ich die Kurven kaum sehen konnte. Ich war fast in der vierten Reihe (2 Sekunden), aber am Ende wurde es Platz 143. Ich wusste, dass ein guter Start für dieses Rennen vorteilhaft wäre, also gab ich mein Bestes von der Außenlinie, aber ich blieb gleich beim ersten Anstieg stecken.

Ich kämpfte wirklich hart und versuchte, so viele Leute wie möglich zu überholen. Ich fand einen tollen Rhythmus und kam nach 1 Stunde und 40 Minuten beim ersten Dinner an. Mein Bike begann bei niedrigen Drehzahlen schlecht zu laufen. Im Wald bergauf hielt ich an, aß etwas und bemerkte, dass mein Tank aufgebläht war. Ich drückte einfach den Knopf, um ihn zu öffnen, und er öffnete sich von selbst wegen des hohen Drucks. Benzin lief über meinen ganzen Körper und entzündete sich plötzlich. Ich bin mir nicht sicher warum, vielleicht wegen des heißen Kühlmittels. Aber ich kann euch sagen, diese fünf Sekunden waren schmerzhaft. Danach wurde es nicht besser und es fühlte sich immer noch an, als würde ich brennen, weil meine Kleidung mit Benzin getränkt war. Also entschied ich mich, alles auszuziehen und meinen Körper mit Wasser zu waschen (danke an den Medienmann für das Wasser ). Ich war kurz davor aufzugeben. Aber nach einem 15-minütigen Stopp ging ich mit der Unterstützung von @felix_baehker15, @fynnhannemann04, @agracingteam und meinem Vater weiter. Es war mental sehr hart für mich, weiterzumachen, nachdem ich so viele Positionen verloren hatte und zusätzlich im Verkehr stecken blieb, aber die Unterstützung war unglaublich, sodass Aufgeben keine Option war. Auch das Gefühl, in Carl’s Dinner zu kommen und durchzufahren, war unglaublich. Ich war begeistert und gab mein Bestes bis CP12 (George Avenue nach 3 Stunden und 50 Minuten) und startete in das letzte Dinner, wo dieses epische Event zu Ende ging.

Ich kann sagen, dass ich mit meinem Einsatz und meinem Rennen äußerst zufrieden bin. Für mich war es eines der härtesten, aber auch schönsten Rennen meines Lebens.

Schließlich bin ich mit meinem Ergebnis nicht zufrieden, weil ich herausgefunden habe, dass mein CP1 nicht richtig gescannt wurde und in diesem Fall jeder folgende CP nicht zählt. Das Live-Timing zeigt, dass ich jeden folgenden CP bis CP12 durchgefahren bin und auf Platz 99 gelandet bin. Aber so ist es, @redbullerzbergrodeo will nichts ändern und nicht einmal über das Problem sprechen. Aber ich werde den Kopf nicht hängen lassen und hart für das nächste Rennen in Serbien trainieren.

Fotos: DG Design / Denis Günther / Luca Klemer

Denis Guenther
Denis Guenther
Denis Günther ist der Kopf vom motorsport-life.com Network. Seit 2003 hauptberuflich im Motorsport tätig ist er auf allen Rennstrecken in Europa zuhause. Egal ob Tourenwagen oder Endurosport, in allen Bereichen ist er der Experte.