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Dienstag, Juni 18, 2024

Organisatoren und Aktive sehnen deutsches MX-Fest herbei

Vorbereitungen auf den LIQUI MOLY MXGP of Germany am 1. und 2. Juni im Teutschenthaler Talkessel laufen planmäßig

Das ultimative deutsche Motocross-Fest, der LIQUI MOLY MXGP of Germany im einmaligen Teutschenthaler Talkessel, rückt immer näher. Über den Stand der Vorbereitungen informierte heute der am 1. und 2. Juni wieder gastgebende MSC Teutschenthal bei seiner obligatorischen Pre-Event-Pressekonferenz direkt an der Rennstrecke.

Der LIQUI MOLY MXGP of Germany wird am 1. und 2. Juni im Teutschenthaler Talkessel der achte von 20 Läufen zur Motocross-Weltmeisterschaft 2024 sein. „Wir werden die Streckenbedingungen in den nächsten Tagen noch so verbessern, dass wir eine Sandmischung auftragen und mit eingrubbern. Das soll dazu beitragen, dass unsere brutale Hartbodenstrecke noch besser fahrbar wird und uns die Bewässerung auch leichter fällt“, erklärte Andreas Kosbahn, seines Zeichens Geschäftsführer des MSC Teutschenthal, bei der heutigen Pressekonferenz.
Ergänzend hielt er fest, dass man in Sachen Kartenvorverkauf nach wie vor deutlich über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum liegt und man somit wieder mit einem vollen Talkessel sowie toller Stimmung rechnet.

Von der großartigen Stimmung angetan ist auch immer wieder aufs Neue das Vorstandsmitglied der Saalesparkasse, Christian Rothe, der als Sponsorenvertreter eingeladen war. Er meinte dazu: „Wir sind sehr froh, dass wir mit dem Motocross eine Weltmeisterschaftsveranstaltung in der Region haben und unterstützen diese sehr gern. Die Stimmung ist hier meist wie bei einem Rock-Konzert und steckt auch alle an, die hier her kommen. Viele unserer Kunden warten immer wieder schon lange darauf, Karten zu bekommen. Die stehen förmlich Schlange. Das zeigt schon, wie interessant das Ganze ist.“

Klar ist, dass bei einer Veranstaltung von diesem Kaliber in vielen Bereichen Einnahmen generiert werden müssen. Dazu gab es im vorigen Jahr neu den sogenannten VIP-Racing-Club mit Tribünenkarten und VIP-Verpflegung direkt an der Startkurve. Dazu wusste Thomas Kaiser, der stellvertretende Vorsitzende des MSC Teutschenthal zu berichten: „Wir haben das im vorigen Jahr mal probiert, weil die Nachfrage nach besonderen Karten immer größer wird. Da haben wir uns dazu halt den VIP-Racing-Club einfallen lassen, und der lief sehr gut an. Vor allem die Autogrammstunde am Samstagabend war ein echter Renner. Die Resonanz ist in diesem Jahr noch größer, sodass wir glauben, einen guten Baustein ins Veranstaltungskonzept eingebaut zu haben.“

So weit, so gut, doch Personen, um die sich am 1. und 2. Juni im legendären Talkessel alles drehen wird, sind die Fahrer und Fahrerinnen. Von denen konnte zur PK eine sechsköpfige Abordnung begrüßt werden, an deren Spitze die beiden regelmäßigen deutschen WM-Piloten der Top-Klasse MXGP, Tom Koch aus dem thüringischen Wormstedt und Maximilian Spies aus Ortrand im Süden Brandenburgs, standen.
Tom Koch laboriert derzeit zwar noch an einer Verletzung, ist aber guter Dinge, bei seinem Heim-Grand-Prix wieder am Startgatter stehen zu können. Bei einem Sturz beim WM-Lauf im italienischen Pietramurata hatte er sich vier Querfortsätze an der Lendenwirbelsäule gebrochen, was ihn nicht davon abhielt, die beiden darauffolgenden Rennen zum ADAC MX Masters zu bestreiten. Danach sah er die Notwendigkeit einer Ruhepause ein, will nun aber, unabhängig von sportlichen Ergebnissen, vor allem wieder die euphorischen Teutschenthaler Fans erleben. Im vorigen Jahr fuhr er hier am Sonntag zwei Mal auf den zehnten Platz und ließ sich danach, wie einige seiner Landsleute, vor dem „Hang der Nationen“ regelrecht abfeiern. „Die Fans hier in Teutschenthal geben einem immer noch mal einen Extra-Push. Das ist immer ein ganz besonderes Gefühl. Ich hatte letztes Jahr den Eindruck, als wenn die Fans noch einmal extra Gas gegeben haben. Das war echt heftig, echt Gänsehaut. Ich denke, das war auch für Außenstehende genau das, was der Sport braucht.“

Mitten im Feier-Geschehen war damals auch Maximilian Spies, der knapp ein Jahr später zugab, ein, zwei Freudentränen in den Augen gehabt zu haben. „Ich denke, dieses Jahr könnte es sogar noch krasser werden, denn was ich bei den ersten zwei Masters-Rennen in diesem Jahr in Deutschland von den Fans schon erlebt habe, glaube ich, ist das Ganze noch mal gewachsen. Wenn das Wetter mitspielt, kann es durchaus sein, dass es diesmal noch weiter positiv ausartet“, kleidete er seine Vorfreude auf seinen Heim-GP in Worte.

Mit einer Wild Card war vor Jahresfrist auch Noah Ludwig aus Aschersleben, wenngleich etwas glücklos, in der MXGP mit von der Partie. Das wird nun auch wieder so sein. Zu seinem neuen Ziel befragt, antwortete das Club-Mitglied des MSC Teutschenthal: „Rein Ergebnis-technisch nehme ich mir nichts vor. Ich will natürlich bestmöglich abschneiden und das Wochenende genießen. Wenn man noch keinen GP im Jahr gefahren ist, kann man das schlecht beziffern, aber Punkte wären schon cool.“

In der „kleinen“ WM-Klasse MX2 der bis 23-Jährigen liegt Simon Längenfelder aus dem oberfränkischen Oberkotzau aktuell auf dem zweiten Tabellenrang. Im vorigen Jahr musste er bei seinem Heimrennen „dank“ einer Verletzung zuschauen und hatte nun beim vorletzten Grand Prix fast ein Deja-vu. In Portugal stürzte er im zweiten Lauf und brach sich dabei das Schlüsselbein. Glücklicherweise kam nach der ziemlich umgehend in Angriff genommenen OP schnell die freudige Nachricht, dass er direkt weiterfahren konnte. So wurde er in Spanien trotz dieses Handicaps Gesamtneunter und war nun per Video-Konferenz zugeschaltet. Bei dieser informierte er, dass es ihm soweit gut geht und er auf jeden Fall diesmal in Teutschenthal aktiv dabei sein will. „Das war schon hart, voriges Jahr zuschauen zu müssen. Am Fernseher ging es noch, aber als ich in Teutschenthal vor Ort war, habe ich mich zwar über den Zuspruch gefreut, aber ansonsten war das gar nicht lustig“, blickte der GASGAS-Factory-Rider zurück und sogleich voller Tatendrang voraus. „Ich denke, dass ich bis Teutschenthal noch fitter werde und wieder die Podestplätze anvisieren kann.“

Voller Vorfreude auf die diesjährigen Rennen können auch alle Anhänger des Damen-Motocross sein, denn nach sechsjähriger Abstinenz kehrt die Damen-WM (WMX) in den Teutschenthaler Talkessel zurück. Von dieser Gilde konnte die aktuell Gesamtführende, Lotte van Drunen aus den Niederlanden, begrüßt werden. Die erst 16-Jährige debütierte 2022 in der WM und wurde in ihrer ersten vollen WM-Saison 2023 Dritte. Dazu wurde sie Damen-Motocross-Europameisterin. Natürlich wird sie nun erstmalig die spezielle Talkessel-Atmosphäre zu spüren bekommen. Die Strecke an sich kennt sie allerdings schon. „Ich glaube, ich war schon sechs Mal hier zum Trainieren. Es ist eine Hart-Boden-Strecke. Ich bin überall auf Sandstrecken besser als auf Hartboden, aber inzwischen liebe ich Hartboden absolut, vor allem die sich stets bildenden tiefen Furchen. Ich denke ich werde die Rennen in Teutschenthal genießen“, gab sie einen kleinen Ausblick auf die deutsche WM-Runde.

Und dann war da noch die Lokalmatadorin Pauline Szeponek aus Landsberg, die als ebenfalls erst 16-Jährige in diesem Jahr in der Damen-WM debütieren wollte, und zwar bei ihrem Heim-Verein, dem MSC Teutschenthal. Daraus wird allerdings nichts, da sie sich mehrfach die Schulter auskugelte, was nun zu einer Operation führte. „Das ist echt schade, weil ich mich schon sehr darauf gefreut habe. Aber ich werde die Rennen natürlich vor Ort verfolgen und versuchen, mir das eine oder andere abzuschauen“, meinte sie mit nicht 100-prozentig glücklicher Mine.

Weitere Infos gibt es unter: www.mxgp-germany.de und www.msc-teutschenthal.de.

Text&Foto: Thorsten Horn

Denis Guenther
Denis Guenther
Denis Günther ist der Kopf vom motorsport-life.com Network. Seit 2003 hauptberuflich im Motorsport tätig ist er auf allen Rennstrecken in Europa zuhause. Egal ob Tourenwagen oder Endurosport, in allen Bereichen ist er der Experte.