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Dienstag, Juni 18, 2024

Red Bull Romaniacs 2021 – Rasantes Finale präsentiert Hard Enduro auf einem neuen Level

Die Romaniacs haben sich die Jahre über zu einem festen Highlight im Kalender der Hard Enduro Community auf der ganzen Welt gemausert. Nachdem das Treffen im letzten Jahr den Fahrern aus einigen Ländern verwehrt blieb, war es umso schöner dieses Jahr wieder alle in Sibiu vereint zu sehen. Das trockenste Wetter seit Jahren trug einen weiteren Teil zur ausgelassenen Stimmung unter den Teilnehmern bei. Als heute am frühen Morgen die Sonne über den Gipfeln der Karpaten aufging, war klar, dass der letzte Offroad Tag den 18. Red Bull Romaniacs einen perfekten Abschluss bescheren wird. 
Die Strecken-Manager um Teo Isac hatten sich genügend Highlights aufgespart und bis ins Ziel am “Gusterita Hillclimb” galt es für alle Klassen tausende Höhenmeter zu überwinden. Zum Glück blieb es trocken und der griffige Boden spielte den Fahrern in die Karten. Dementsprechend hoch war die Motivation das große Finale in Angriff zu nehmen. 
Für die Fahrer der Gold-Klasse stand heute noch einiges auf dem Spiel, schließlich ging es um wichtige Punkte für die 2021 zum ersten Mal ausgetragene FIM Hard Enduro Weltmeisterschaft. Nachdem sich Graham Jarvis (GBR) mit einer Knieverletzung, bereits am zweiten Tag, aus dem Duell mit Manuel Lettenbichler (GER) verabschieden musste, hatte dieser einen Puffer von über 20 Minuten auf seine engsten Verfolger. Doch Wade Young (ZAF) hat schon oft genug bewiesen, dass Aufgeben keine Option ist und so wollte er heute noch einmal alles geben: “Mani hat zwar ein ordentliches Polster, aber ich werde bis ins Ziel pushen und mindestens um Platz zwei kämpfen.” Der Unfall von Graham Jarvis hatte gezeigt, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Verletzungen und technische Defekte spielen leider immer wieder eine entscheidende Rolle. Für Manuel Lettenbichler galt es diese heute unbedingt zu vermeiden. Hinter Wade Young lauerten Mario Roman (ESP), Billy Bolt (GBR) und Jonny Walker (GBR) in Schlagdistanz auf ihre Chance. Der Kampf um die begehrten Plätze auf dem Podium blieb also spannend bis zum Schluss.

Der finale Offroad-Tag begann bereits um 06:45 Uhr vor den Toren Sibius und wie bereits in den letzten Tagen war die Pace von Beginn an gnadenlos hoch. Die Fahrer flogen geradezu in Richtung des Skigebietes “Arena Platos Paltinis”. Dort befand sich der heutige Service-Punkt und selbst die extremsten Sektionen konnten die Spitzenfahrer kaum einbremsen. Das Niveau hat ein beeindruckendes Level erreicht und um den Nachwuchs im Hard Enduro muss man sich auch keine Sorgen machen. Trystan Hart (CAN), Teodor Kabakchiev (BGR), Michael Walkner (AUT) und Dominik Olskowy (POL) beendeten allesamt die 18. Romaniacs in den Top 10 und lieferten ein klares Statement ab, dass die Luft auf dem Podium, für die etablierten Fahrer, in den nächsten Jahren dünner wird. 

Pol Tarres (AND) wurde heute vom Chef persönlich auf dem Weg ins Ziel verfolgt. Martin Freinademetz konnte es sich einfach nicht entgehen lassen Pol Tarres und seine Yamaha Teneree 700 live in Action zu erleben. Mit einer GoPro ausgestattet, lieferte er absolut beeindruckende Bilder für die er viel Staub schlucken musste: „Das war aufregend, wie in den alten Renntagen“, berichtete Freinademetz von seinem Erlebnis.
Der “Gusterita Hillclimb” war heute extrem trocken und sandig, was sich als besonders schwierig erwies. Gestern hatte Pol Tarres noch spekuliert, ob er es wohl mit seiner Tenere bis nach oben schaffen würde. Er gab alles, für die letzte Schlüsselstelle fehlte ihm dann aber doch der Schwung. Über den Notausstieg und die Umfahrung erreichte er kurze Zeit später das Ziel. Als erster Bronze-Finisher mit einem großen Zweizylinder Adventure Bike schrieb Pol Tarres heute Romaniacs-Geschichte und belegte sensationell Platz 18 von 197. Der Gesamtsieg in der Bronze-Klasse ging an Artem Kuncevich (BLR) vor Bogdan Marin Stelian Butiu (ROU) und Ágúst Már Viggósson (ISL).

Die Fahrer der Silber-Klasse durften sich heute einige Streckenabschnitte mit der Gold-Klasse teilen, was ihnen den Superstar-Status einbrachte, den sie sich die letzten Tage über verdient hatten. Nick Fahringer (USA) musste sich heute Toni Mulec (SVN) geschlagen geben, hatte jedoch genügend Puffer herausgefahren um mit  knapp 19 Minuten Vorsprung den Gesamtsieg zu holen. Toni Mulec und Jamie Lewis (GBR) komplettierten das 18. Romaniacs Podium in der Silber-Klasse.

Die Klassen Iron und Atom mussten zum großen Finale noch den härtesten Fahrtag ihrer Rallye überstehen. Selbst das konnte der slowenischen Mountainbikerin Tjasa Fifer (SVN) nichts mehr anhaben. Sie meisterte auch die letzten Herausforderungen und sicherte sich den Gesamtsieg in der Iron-Klasse. Platz zwei und drei gingen an Raffael Panzeri (CHE) und Timo Hermlin (EST). In der Atom-Klasse belegten Dmitry Akmahnaev (RUS), Roman Kurbatov (RUS) und Danny Melvin (USA) die Plätze eins bis drei auf dem Podium.

In der Gold-Klasse hielt Manuel Lettenbichler dem Druck stand, machte keine Fehler und sicherte sich mit einer Fahrzeit von lediglich 4h 38min 45s die Tagesbestzeit. Damit setzte er erneut ein Zeichen und zeigte allen, dass er dieses Jahr einfach nicht zu schlagen ist. Mario Roman und Billy Bolt konnten etwas Zeit auf Wade Young gutmachen und belegten in der Tageswertung die Plätze zwei und drei. Es reichte jedoch nicht um das Gesamtergebnis durcheinander zu würfeln. Manuel Lettenbichler machte den Hattrick perfekt und gewann zum dritten mal in Folge die Red Bull Romaniacs. Im Gegensatz zum letzten Jahr hatte er im Ziel einen deutlichen Vorsprung und konnte sich mit 27 Minuten und 28 Sekunden vor Wade Young durchsetzen. 

Manuel Lettenbichler: “Ich bin überglücklich, es waren vier harte Tage und die Pace war wahnsinnig hoch. Ich freue mich riesig über den Sieg, aber auch Graham (Jarvis) hätte ihn sicher verdient gehabt. Wir sind die ersten Tage viel zusammen gefahren was meinen Speed gesteigert hat. Ein bisschen habe ich ihm den Sieg mit zu verdanken.”

Wade Young: “Der Speed war wahnsinnig hoch dieses Jahr und ich bin überglücklich mit dem zweiten Platz. Die Strecke war super markiert und ich hatte keine Probleme mit der Navigation, ein großes Lob an Martin und sein Team dafür.”

Mario Roman erkämpfte sich den letzten Platz auf dem Podium und war im Ziel sichtlich erleichtert: “Die Romaniacs sind immer eine harte Woche, wir fahren so viele Stunden und  jederzeit kann etwas schief gehen. Man muss die ganze Zeit voll konzentriert sein. Ich bin stolz darauf das geschafft zu haben und jetzt auf dem Podium zu stehen.”

Nach einem verhaltenen Start, fand Billy Bolt im Laufe der Rallye immer besser ins Rennen. Auch heute konnte er weitere zwei Minuten auf Mario Roman gut machen. Es war jedoch zu wenig und so musste er sich mit dem ungeliebten vierten Platz zufrieden geben. 

Jonny Walker war zum ersten Mal mit seinem eigenen Team auf der Beta am Start und zeigte sich mit Platz fünf zufrieden: “Es war ein hartes Rennen, ich habe es jedoch genossen und wir haben als Team viel gelernt. Mit Platz fünf bin ich ziemlich zufrieden.”

Sandra Gomez schrieb letztes Jahr Romaniacs Geschichte, sie kam als erste Frau überhaupt in der Gold-Klasse ins Ziel. Heute gelang ihr das zum zweiten mal, diesmal sogar ohne Penalties. Sie beendete alle Offroad Tage in Wertung und belegte im Ziel Platz 29 von 45.

2021 wird zum ersten Mal eine offizielle Hard Enduro Weltmeisterschaft von der FIM ausgetragen und die Red Bull Romaniacs durften im Kalender auf keinen Fall fehlen. 
Mit perfekt organisierten Offroad Tagen, anspruchsvollen Strecken und der ersten Marathon-Etappe setzten Martin Freinademetz und sein Team ein klares Ausrufezeichen hinter diese Aussage. Ob es die Aussicht auf die Weltmeister-Krone war oder sich die Fahrer gegenseitig zu Höchstleistungen angestachelt haben, lässt sich nur schwer sagen. Aber eines steht fest, die 18. Red Bull Romaniacs “Vertical Madness Reloaded” waren Hard Enduro auf einem bisher nie dagewesenen Level!

Foto: Future7Media

Denis Guenther
Denis Guenther
Denis Günther ist der Kopf vom motorsport-life.com Network. Seit 2003 hauptberuflich im Motorsport tätig ist er auf allen Rennstrecken in Europa zuhause. Egal ob Tourenwagen oder Endurosport, in allen Bereichen ist er der Experte.