INTERVIEW: “Mein Nachname bringt Druck, ist aber etwas Besonderes” – Everts

Liam Everts und Vater Stefan sprechen über ihre ikonische Motocross-Geschichte und ihre Ziele für 2021. Der Name Everts hat in Motocross-Kreisen einen gewissen Stellenwert. Harry Everts war ein vierfacher Weltmeister, während Sohn Stefan zehnmal den Weltmeistertitel in vier verschiedenen Klassen holte.

Nun hat die dritte Generation der belgischen Familie, der sechzehnjährige Liam, begonnen, sich einen eigenen Namen in dieser Disziplin zu machen und eine beeindruckende Familiengeschichte in diesem Sport fortzusetzen.

Hier ist, was Vater und Sohn darüber zu sagen haben, in ihre Fußstapfen zu treten und Weltmeistertitel zu jagen.

Den Namen Everts zu tragen, ist etwas Besonderes. Wie gehen Sie mit dem Druck um?
Liam: Klar, mein Nachname bringt Druck mit sich. Aber sobald ich Rennen fahre, verschwinde ich in meiner Blase und konzentriere mich nur noch auf mich, mein Motorrad und die Strecke. Aber es bleibt etwas Besonderes.

Stefan: Ich habe gemischte Gefühle dabei. Einerseits bin ich stolz darauf, dass Liam nicht nur in meine, sondern auch in die Fußstapfen seines Großvaters tritt und den Namen Everts im Motocross weiterleben lässt, andererseits bin ich mir der Risiken unseres Sports sehr bewusst. Ich mache mir wirklich Sorgen, glauben Sie mir, und ich möchte nicht, dass er sich ernsthaft verletzt.

Ist Ihr Vater ein strenger Erzieher?
Liam: Mein Vater ist jemand, zu dem ich sehr aufschaue, aber er ist trotzdem mein Vater. Er ist streng, wenn er es sein muss. Er weist mich ab und zu in die Schranken, wenn ich etwas falsch mache. Dann liegt es an mir, Lehren aus diesen negativen Dingen zu ziehen und zu versuchen, sie beim nächsten Mal zu vermeiden.

Stefan: Ich stehe Liam bei allem, was er tut, als Mentor zur Seite und versuche, Risiken so weit wie möglich zu vermeiden. Von seinem ersten Tag auf dem Motorrad an habe ich immer die Sicherheit in den Vordergrund gestellt. Ich gebe ihm immer meine ehrliche Meinung, wir arbeiten gemeinsam an seinen Schwachstellen und vermeiden es, zu schnell zu fahren. Ich will keinen zusätzlichen Druck auf ihn ausüben, denn der ist schon da. Ich weiß, wie sich das anfühlt. Mein Vater war auch ein bekannter Name. Und auch er und ich sind die ganze Sache sehr ruhig angegangen. Dadurch konnte ich lange Zeit auf höchstem Niveau performen.

Ist Liam dazu bestimmt, deine 10 Weltmeistertitel zu übertreffen, Stefan?
Stefan: Es wäre wunderbar, wenn er jemals Weltmeister werden würde. Drei Generationen … das ist noch nie dagewesen! Ich hoffe es wirklich. Aber auch die Zahl seines Großvaters zu übertreffen, wäre eine tolle Leistung.

Was sind Ihre Ziele für 2021?
Liam: Das Ziel ist es, aufzubauen, was nicht einfach sein wird, da viele Fahrer von der MX2 zur EMX250 zurückkehren. Es wird sehr schwer werden. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Geduld und harte Arbeit uns auf die Landkarte bringen werden. Es ist alles da. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir anfangen, das Puzzle zu legen und jedes kleine Teil passt.

Stefan: Es liegt natürlich noch eine Menge Arbeit vor uns. Liam muss noch eine Menge Erfahrung sammeln und lernen, unter dem Druck, den sein Name mit sich bringt, besser zu performen. Aber die Leidenschaft ist da, zusammen mit der harten Arbeit und der Disziplin. Er hat auch das Gefühl, das Talent und die Einsicht in seiner DNA verankert.

Du fährst dieses Jahr in einer höheren Klasse, der EMX250. Fühlst Du Dich dem gewachsen?
Liam: Ja. Eine höhere Klasse in dieser Saison. Die Motivation ist da, wir müssen nur noch ein bisschen länger aussetzen, bevor wir wieder loslegen können. Das bedeutet, jetzt hart zu trainieren und bei den Wettkämpfen alle Register zu ziehen!

Stefan: Es ist wichtig, dass man nicht mit zu großen Erwartungen reingeht, denn dann wird man nur enttäuscht. Wenn wir realistisch sind, sollten wir einen Platz unter den ersten fünf anstreben. Und, wer weiß, vielleicht passiert ja auch mal etwas Unerwartetes. Das wird eine höllische Fahrt werden!

Du trainierst hart. Ist dein Arm denn komplett verheilt?
Liam: Ich lege viele Stunden in Belgien und den Niederlanden ein, um mich auf dem Rad so wohl wie möglich zu fühlen, meine Geschwindigkeit zu erhöhen und voll vorbereitet an die Startlinie zu kommen, wenn das Tor endlich wieder fällt. Mein Arm ist vollständig geheilt. Er macht mir keine Probleme mehr. Die kleine Metallplatte ist noch drin, aber wir haben beschlossen, sie nach Saisonende entfernen zu lassen.

Stefan: Wir machen an allen Fronten Fortschritte. Liam wird jetzt langsam zu einem jungen Mann, und im letzten Jahr hat er einige riesige Schritte gemacht, sowohl mental als auch körperlich. Unser Plan? Geduldig zu sein und alles zu seiner Zeit kommen zu lassen. Das Letzte, was ich will, ist, dass er sich in der Entwicklungsphase seiner Karriere eine schwere Verletzung zuzieht. Sein jüngster Sturz war nicht seine Schuld, sondern ein technisches Problem mit dem Motorrad. Als Pilot ist es entscheidend, das zu erkennen. Denn auch er hat in den letzten Jahren so viele Trainingsstunden und Kilometer investiert.

Foto: Gino Maes / Red Bull Content Pool

Denis Guenther
Denis Günther ist der Kopf vom motorsport-life.com Network. Seit 2003 hauptberuflich im Motorsport tätig ist er auf allen Rennstrecken in Europa zuhause. Egal ob Tourenwagen oder Endurosport, in allen Bereichen ist er der Experte.