Nach vier ereignisreichen Tagen rund um Zschopau fand die FIM Enduro Vintage Trophy am Samstag mit dem traditionellen Abschlussmotocross in Venusberg ihren sportlichen Höhepunkt. Hinter den Teilnehmern lagen zu diesem Zeitpunkt bereits sehr unterschiedliche Tage: vom kurzen Auftakt mit der Beschleunigungsprüfung in Weißbach über die beiden langen Fahrtage mit insgesamt sechs Prüfungen pro Tag bis hin zum schwierigen Freitag mit Nebel, Nieselregen und zunehmend rutschigen Strecken.
Gerade der Regen des Vortages sorgte für den Finaltag allerdings für nahezu ideale Bedingungen. Die Strecke in Venusberg präsentierte sich zunächst griffig und weitgehend staubfrei. Erst in den letzten Heats trocknete der Boden zunehmend ab, sodass sich stellenweise wieder etwas Staub entwickelte.
Insgesamt standen 15 Läufe mit jeweils sechs Runden auf dem Programm. Dabei wurden die Fahrer noch einmal nach ihren jeweiligen Klassen und Wertungen auf die Motocrossstrecke geschickt, bevor endgültig feststand, wer die FIM Enduro Vintage Trophy 2026 erfolgreich beenden würde.

Schon lange vor dem ersten Start wurde allerdings deutlich, dass dieser Finaltag noch einmal eine ganz besondere Atmosphäre bekommen sollte. Zuschauermassen strömten nach Venusberg und bevölkerten bereits zum Auftakt das gesamte Areal rund um die Strecke. Mit einem derart großen Zuspruch hatte im Vorfeld wohl kaum jemand gerechnet.
Das zeigte sich besonders bei der Anreise. Für die Fahrt vom Paddock zur Strecke, die unter normalen Umständen kaum mehr als zehn Minuten dauert, musste zeitweise mehr als eine Stunde eingeplant werden. Rund um Venusberg herrschte Ausnahmezustand – und für die Fahrer bot sich damit zum Abschluss noch einmal eine Kulisse, die der Bedeutung dieser Veranstaltung mehr als gerecht wurde.
Nach den langen Etappen, wechselnden Wetterbedingungen und zahlreichen Prüfungen der vergangenen Tage war damit alles angerichtet für den großen Schlusspunkt der FIM Enduro Vintage Trophy in Zschopau.
Dramatischer Abschluss für das deutsche Trophy-Team
Auch sportlich hatte der Finaltag in Venusberg noch einmal einiges zu bieten. Eine der Geschichten des Tages schrieb dabei Johannes Steinel. Bereits unmittelbar nach dem Start wurde der Deutsche in einen Crash verwickelt und konnte das Rennen erst fast am Ende des Feldes wieder aufnehmen.

Aufgeben kam für Steinel allerdings nicht infrage. Der bis dahin stärkste deutsche Trophy-Pilot arbeitete sich Runde für Runde wieder nach vorn und schloss schließlich sogar zum führenden Italiener auf. Für ein Überholmanöver reichte es bis zur Zieldurchfahrt jedoch nicht mehr. Gerade dieser eine Platz hätte für die deutsche Mannschaft noch einmal große Bedeutung gehabt, denn damit wäre im Kampf um das Podium möglicherweise doch noch etwas möglich gewesen.
Zuvor hatte bereits Uwe Weber seinen Lauf absolviert und dabei zunächst sogar Boden auf die Konkurrenz gutmachen können. Am Ende verteidigte Italien jedoch Rang drei in der Trophy-Teamwertung, während Deutschland knapp außerhalb der Podestplätze blieb.
Auch an den ersten beiden Positionen änderte sich am Finaltag nichts mehr. Die USA brachte ihren Vorsprung souverän ins Ziel und sicherte sich damit den Gesamtsieg. Besonders Billy Burns und Fred Hoess unterstrichen dabei noch einmal die Stärke des amerikanischen Teams und überzeugten auch im Abschlussmotocross vor den zahlreichen Zuschauern – darunter auffallend viele mitgereiste Fans aus den USA.

Damit blieb die Reihenfolge an der Spitze auch nach dem letzten sportlichen Akt der Veranstaltung bestehen: USA vor Österreich und Italien. Für die deutsche Mannschaft endete die Mission Titelverteidigung nach einem starken Auftritt auf Rang vier.

Italien gewinnt die Silver-Vase-Wertung
Auch in der Silver-Vase-Wertung fiel am Samstag die endgültige Entscheidung. Den Gesamtsieg sicherte sich Vintage Silver Vase Italia mit Stefano Bosco, Federico Fregnan und Giuseppe Gallino. Das italienische Trio beendete die Veranstaltung mit einer Gesamtzeit von 1:19,782 Minuten und gewann damit deutlich vor Silver Vase 17 Kramer Werkxx auf Rang zwei.
Den dritten Platz holte sich der MC Simson Suhl mit Jens Ziegenhahn, Oliver Ritz und Matthias Heller. Knapp dahinter folgte der MC Scuderia Norelli auf Rang vier. Silver Vase Germany 1 mit Ole Fleischer, Jürgen Althaus und Peter Zink schloss die FIM Enduro Vintage Trophy auf einem starken fünften Platz ab.
Damit setzte sich Italien nach vier Fahrtagen auch in dieser mit insgesamt 47 Teams stark besetzten Mannschaftswertung durch.
Tagliamento 1 gewinnt die Club-Teamwertung
In der Club-Teamwertung setzte sich am Ende Tagliamento 1 durch. Mauro Sant, Valerio Battaino und Stefano Molinaro brachten den Vorsprung auch durch das Abschlussmotocross und gewannen die Gesamtwertung mit 7:32,010 Minuten.
Dahinter gingen gleich zwei Podestplätze an deutsche Mannschaften. Club Team Germany 12 mit Marcel Triebel, Paul Maria Listl und Mike von Ahlen belegte Rang zwei, während Club Team Germany 2 mit Davide von Zitzewitz, Jörg Wildhagen und Richard Minderlein auf Platz drei folgte. Der MSC Mauer beendete die Trophy auf Rang vier vor U.S. Leonessa D’Italia 1903.
Ebenfalls weit vorn landete der MSV MZ-Stadt Zschopau auf Platz neun. Insgesamt wurden in der umfangreichsten Mannschaftswertung 64 Club-Teams klassiert.

Glanzvoller Abschluss in der Festhalle
Den würdigen Schlusspunkt setzte am Abend ab 20 Uhr die große Siegerehrung in der Festhalle. Vor vollem Haus wurden noch einmal alle Wertungen der FIM Enduro Vintage Trophy auf die Bühne gebeten und die erfolgreichsten Fahrer und Teams für ihre Leistungen der vergangenen Tage ausgezeichnet.

Dabei erhielten die Sieger und Platzierten die eigens für die Veranstaltung angefertigten Pokale von Lieber Holz. Nach vier intensiven Fahrtagen, wechselnden Bedingungen, tausenden Zuschauern entlang der Strecken und einem spektakulären Abschlussmotocross fand die Veranstaltung damit auch abseits der Strecke einen glanzvollen Abschluss.
Gleichzeitig richtet sich der Blick bereits nach vorn: 2027 wird die 11. Ausgabe der FIM Enduro Vintage Trophy in der Slowakei ausgetragen. Für viele Teilnehmer dürfte damit schon jetzt feststehen, dass das nächste große Wiedersehen der internationalen Vintage-Enduro-Szene nicht lange auf sich warten lässt.
Fotos: DG Design/ Denis Günther







