Am Samstag Abend fand in Douai (Frankreich) das große Saisonfinale der FIM SuperEnduro World Championship statt. In der nordfranzösischen Stadt wurden damit die letzten Entscheidungen der diesjährigen Weltmeisterschaft getroffen.
Bereits vor dem Finale stand allerdings fest, dass Billy Bolt nicht mehr an den Start gehen würde. Der Brite hatte sich den Weltmeistertitel bereits vorzeitig gesichert und fehlte in Douai aus einem erfreulichen Grund: Im Hause Bolt stand in Kürze Nachwuchs an.
Die Strecke in Douai präsentierte sich als besonders technisch und eng gebaut. Viele Fahrer äußerten im Vorfeld Kritik am Layout, da die wenigen Überholmöglichkeiten und die anspruchsvollen Hindernisse ein sehr präzises Fahren erforderten. Fehler konnten hier schnell Zeit kosten, während Überholmanöver nur schwer umzusetzen waren.
Im Zeittraining für die abendliche Superpole setzte Eddie Karlsson auf seiner Stark Varg die schnellste Runde und sicherte sich damit die Bestzeit vor den entscheidenden Einzelrunden.
Damit war die Bühne für einen intensiven Finalabend bereitet, bei dem es vor allem in den verbleibenden Meisterschaftspositionen noch um wichtige Punkte ging.
Superpole – Karlsson sichert sich die Pole in Douai
Den Auftakt der Superpole machte Marc Fernandez, der zuvor auch die Strecke vorgestellt hatte. Er setzte mit 40,059 Sekunden die erste Richtmarke auf dem technisch anspruchsvollen Kurs.
Wie schon mehrfach in dieser Saison ging Toby Martyn als zweiter Fahrer auf die Strecke und setzte direkt ein Ausrufezeichen. Er unterbot die Zeit deutlich und war rund 3,4 Sekunden schneller als Fernandez.
Manuel Lettenbichler konnte diese Marke anschließend nicht knacken, ebenso wenig Jonny Walker, der in seiner Runde sogar zu Boden ging und damit wertvolle Zeit verlor.
Ashton Brightmore kam anschließend gut mit der Strecke zurecht und unterbot die Zeit von Martyn. Damit stand bereits fest, dass er mindestens Platz drei in der Superpole sicher hatte. Sein Bruder Mitch Brightmore leistete sich in seiner Runde einige kleinere Fehler und blieb hinter Ashton zurück.
Als letzter Fahrer ging Eddie Karlsson auf die Strecke. Der Schwede kam mit dem technischen Layout hervorragend zurecht und setzte auf seiner Stark Varg die schnellste Zeit. Damit sicherte er sich die Pole-Position und konnte die Rennen des Finalabends von Startplatz eins in Angriff nehmen.
Prestige Lauf 1 – Erster Prestige-Sieg für Mitch Brightmore
Eddie Karlsson erwischte den besten Start und sicherte sich den Holeshot. Hinter ihm kam es jedoch direkt zu einem Zwischenfall: Jonny Walker stürzte früh im Rennen und musste sich zunächst wieder nach vorne kämpfen.
Karlsson setzte sich zunächst deutlich vom Feld ab und fuhr mit großem Vorsprung vor den beiden Brightmore-Brüdern. Dahinter folgten rund vier Minuten vor Rennende die beiden deutschen Fahrer Manuel Lettenbichler und Tim Apolle.
In der Schlussphase entwickelte sich ein intensiver Kampf um die Führung. Mitch Brightmore setzte Karlsson mehrfach unter Druck und versuchte in den letzten drei Runden immer wieder vorbeizugehen. Schließlich gelang ihm das entscheidende Manöver und er übernahm die Spitze.
Nach einem Sturz von Ashton Brightmore rückte Manuel Lettenbichler auf Rang drei vor und brachte diese Position auch ins Ziel. Für Mitch Brightmore war der Sieg ein besonderer Moment: Er feierte damit seinen ersten Triumph in der Prestige-Klasse.
Jonny Walker zeigte nach seinem frühen Sturz eine starke Aufholjagd und kämpfte sich noch bis auf Platz fünf nach vorne.
Prestige Lauf 2 (Reverse Grid) – Walker nutzt seine Chance
Jonny Walker erwischte einen perfekten Start und sicherte sich den Holeshot vor Toby Martyn. Dahinter entwickelte sich sofort ein intensiver Kampf im Mittelfeld, unter anderem zwischen Eddie Karlsson und Mitch Brightmore.
Während Martyn versuchte, den angeschlagen wirkenden Walker an der Spitze unter Druck zu setzen, arbeitete sich Brightmore immer weiter nach vorne. Als das Feld auf Manuel Lettenbichler auflief, nutzte Brightmore die Situation clever und ging in einem Zug sowohl an Karlsson als auch an Lettenbichler vorbei.
Kurz darauf stürzte Toby Martyn, wodurch Brightmore plötzlich auf Rang zwei lag. Lettenbichler wiederum profitierte von den Positionswechseln und konnte sich auf der technisch anspruchsvollen Strecke erneut stark behaupten. Das Layout kam dem Deutschen entgegen, sodass er den dritten Platz bis zum Ende verteidigen konnte.
In der Schlussphase kam Brightmore auf der Zielgeraden noch einmal gefährlich nahe an Walker heran, stürzte jedoch beim Angriff. Walker brachte den Lauf damit als Sieger ins Ziel. Brightmore konnte sich trotz des Sturzes noch vor Lettenbichler behaupten und wurde Zweiter, während Lettenbichler erneut Rang drei belegte.
Prestige Lauf 3 – Brightmore holt den Sieg beim Saisonfinale
Eddie Karlsson erwischte den besten Start und sicherte sich den Holeshot vor seinem Teamkollegen Toby Martyn. Mitch Brightmore zeigte jedoch direkt in der ersten Runde eine starke Anfangsphase und ging zunächst an Martyn vorbei.
Kurz darauf folgte ein spektakuläres Manöver: Brightmore schnitt Karlsson die Linie ab und übernahm die Führung. Jonny Walker nutzte wenig später eine Kurve, um gleich beide Stark-Piloten zu überholen. Karlsson konterte jedoch noch einmal und holte sich die Position zurück.
Im Steinfeld setzte Walker schließlich den entscheidenden Angriff und ging erneut vorbei. Doch von hinten kam Ashton Brightmore immer näher und setzte Walker stark unter Druck.
In der Schlussphase kam es dann zu einer Kollision zwischen Walker und Ashton Brightmore. Davon profitierten Eddie Karlsson und Manuel Lettenbichler, die an Ashton noch vorbeigehen konnten.
An der Spitze ließ sich Mitch Brightmore den Sieg nicht mehr nehmen und gewann den dritten Lauf. In Abwesenheit des bereits feststehenden Weltmeisters Billy Bolt feierte er damit einen besonderen Erfolg. Hinter ihm wurde Jonny Walker Zweiter, Eddie Karlsson belegte Rang drei.
In der Gesamtwertung der Saison sicherte sich Billy Bolt den Weltmeistertitel vor Jonny Walker und Mitch Brightmore.
Europacup – Lauf 1: Broniewski gewinnt, Miguel sichert sich vorzeitig den Titel
Nach mehreren Wochen Pause war in Douai auch der Europacup wieder Teil des Programms. Mit am Start waren aus deutscher Sicht unter anderem Florian Görner und Felix Strauss.
Der Start verlief turbulent: Bereits in der ersten Kurve kam es zu einem Stau im Feld. Nach der ersten Runde lag Damian Broniewski in Führung vor Alessandro Azzalini.
Florian Görner kam zunächst gut ins Rennen und lag auf Rang fünf. Tabellenführer Eric Miguel hingegen war nach dem Start zunächst weiter zurückgefallen, arbeitete sich im Verlauf des Rennens jedoch immer weiter nach vorne und lag drei Minuten vor Rennende bereits auf Position vier.
An der Spitze ließ sich Broniewski den Sieg nicht mehr nehmen und gewann vor Mark Szöke. Miguel lag kurz vor dem Ziel noch auf Podiumskurs, wurde jedoch auf den letzten Metern überholt und beendete das Rennen auf Rang vier. Dieses Ergebnis reichte ihm dennoch, um sich bereits vorzeitig den Gesamtsieg im Europacup zu sichern.
Florian Görner belegte am Ende Platz neun, Felix Strauss wurde Dreizehnter.
Europacup Lauf 2 – Broniewski holt Tagessieg, Miguel wird Champion
Eric Miguel erwischte den besten Start und sicherte sich den Holeshot. Kurz darauf stürzte der Tabellenführer jedoch, wodurch Damian Broniewski erneut die Führung übernehmen konnte.
Florian Görner kam wieder gut ins Rennen und lag zunächst auf Rang fünf. Im weiteren Rennverlauf kam es im Spitzenfeld zu mehreren Fehlern, wodurch Fabian Poirot profitieren konnte und schließlich die Führung übernahm.
Poirot brachte seine Position ins Ziel und gewann Lauf zwei vor Damian Broniewski und Marc Szöke. In der Tageswertung setzte sich jedoch Broniewski durch und sicherte sich den Tagessieg vor Fabian Poirot und Marc Szöke.
Aus deutscher Sicht belegte Felix Strauss – wie bereits im ersten Lauf – Rang 13, während Florian Görner diesmal Zehnter wurde. In der Gesamtwertung der Saison reichte es für Görner am Ende zu Platz acht.
Eric Miguel krönte sich derweil zum neuen Europacup-Gesamtsieger.
Youth Lauf 1 – Watson übernimmt die Führung, Eppelmann kämpft sich stark zurück
Wojtek Walczak war bereits in der vergangenen Woche als Meister geehrt worden, ging aber auch in Douai erneut als Favorit an den Start.
Der Lauf begann jedoch mit einem großen Zwischenfall: Direkt nach dem Start kam es zu einem heftigen Crash, in den auch die Mitfavoriten Luca Kropitsch und Max Eppelmann verwickelt waren. Beide konnten das Rennen mit etwas Rückstand jedoch wieder aufnehmen.
An der Spitze setzte sich zunächst Martinez vor Connor Watson. Währenddessen startete Max Eppelmann eine beeindruckende Aufholjagd und arbeitete sich Runde um Runde nach vorne, bis er bereits wieder auf Rang drei lag.
Connor Watson übernahm schließlich die Führung und setzte sich an die Spitze des Feldes. In der Schlussphase wurde Eppelmann noch von Wojtek Walczak überholt, während sich Luca Kropitsch nach seinem Startcrash ebenfalls noch bis auf Platz fünf nach vorne kämpfen konnte.
Youth Lauf 2 – Watson holt den Tagessieg in Douai
Eneko Martinez erwischte den besten Start und sicherte sich den Holeshot vor Connor Watson und Wojtek Walczak. Damit lagen direkt die drei stärksten Fahrer der Saison an der Spitze des Feldes.
Doch das Rennen blieb nicht ohne Zwischenfälle: Martinez stürzte, wodurch Watson erneut die Führung übernehmen konnte. Luca Kropitsch nutzte die Situation und ging im Steinfeld ebenfalls an Martinez vorbei. Kurz darauf unterlief jedoch auch Kropitsch ein Fehler, sodass sich das bekannte Bild an der Spitze wieder einstellte.
Im weiteren Verlauf hatte Martinez erneut Probleme, wodurch Kropitsch wieder auf Rang drei nach vorne rückte. An der Spitze ließ sich Watson die Führung nicht mehr nehmen und kontrollierte das Rennen bis ins Ziel.
Max Eppelmann erwischte keinen optimalen Lauf und belegte am Ende Rang sechs.
Connor Watson gewann damit den zweiten Lauf vor Wojtek Walczak und Luca Kropitsch und sicherte sich zugleich den letzten Tagessieg der Saison. Der Youth-Weltmeistertitel war jedoch bereits zuvor entschieden: Wojtek Walczak war schon in der Vorwoche zum Champion gekrönt worden.
Junioren Lauf 1 – Lampkin nutzt seine Chance im Kampf um Rang drei
Toby Shaw ging als Favorit in den letzten Rennabend der Saison. Den besten Start erwischte jedoch zunächst Piazza, der sich vor Fraiser Lampkin an die Spitze setzte. Shaw fand sich nach den ersten Metern nur auf Rang vier wieder, während Henry Strauss zunächst auf Position fünf lag.
Rund drei Minuten vor Rennende gelang Lampkin der entscheidende Angriff: Er übernahm die Führung und setzte sich an die Spitze des Feldes. Kurz darauf unterlief Piazza ein Fehler, wodurch Manuel Gomez Martinez vorbeigehen konnte. Später sorgte Piazza zudem für Diskussionen, als er ein Streckenstück abkürzte.
An der Spitze brachte Fraiser Lampkin seine Führung souverän ins Ziel und gewann den ersten Lauf. Damit hielt er seine Chancen auf Platz drei in der Jahreswertung am Leben. Toby Shaw arbeitete sich noch auf Rang zwei nach vorne.
Henry Strauss wurde als Fünfter abgewunken, Felix Bähker belegte Rang sieben.
Junioren Lauf 2 (Reverse Grid) – Shaw sichert sich den Weltmeistertitel
Ribes erwischte im Reverse-Grid-Lauf den besten Start und holte sich den Holeshot. Kurz darauf übernahm jedoch Burts Crayston die Führung und konnte sich zunächst leicht absetzen.
Toby Shaw arbeitete sich schnell nach vorne und lag bereits nach der ersten Runde auf Rang drei. Vier Minuten vor dem Ende führte Crayston noch vor Shaw, Fraiser Lampkin, Joyon und Henry Strauss.
In der Matrix unterlief Joyon ein Fehler, den Strauss sofort nutzte und an ihm vorbeiging. Damit rückte der Deutsche auf Rang vier nach vorne.
An der Spitze entwickelte sich in der Schlussphase ein spannender Zweikampf zwischen Crayston und Shaw. Schließlich gelang Shaw das entscheidende Überholmanöver und er sicherte sich den Laufsieg.
Mit diesem Erfolg krönte sich Toby Shaw zugleich zum neuen Junioren-Weltmeister. Henry Strauss brachte ein starkes Rennen auf Platz vier ins Ziel, direkt hinter Fraiser Lampkin.
Junioren Lauf 3 – Lampkin gewinnt den Finalabend
Manuel Gomez Martinez erwischte den besten Start und sicherte sich den Holeshot. Toby Shaw hatte dagegen früh Probleme und musste aufgrund eines Defekts bereits zu Beginn einen Rückschlag hinnehmen. Henry Strauss fiel im Verlauf der ersten Runden zunächst weit zurück und lag nur auf Rang neun.
An der Spitze entwickelte sich ein intensiver Kampf zwischen Gomez Martinez und Fraiser Lampkin. Während Shaw im weiteren Rennverlauf erneut einen Fehler machte, nutzte Lampkin die Gelegenheit und übernahm die Führung. Dahinter arbeitete sich Burts Crayston auf Position zwei nach vorne.
Am Ende gewann Fraiser Lampkin den dritten Lauf vor Piazza und Manuel Gomez Martinez. Henry Strauss kämpfte sich noch auf Rang sechs nach vorne, Felix Bähker wurde Achter.
Mit seinem Sieg im dritten Lauf sicherte sich Lampkin auch den Tagessieg in Douai. In der Jahreswertung blieb die Spitze jedoch unverändert: Toby Shaw wurde Junioren-Weltmeister vor Manuel Gomez Martinez und Milan Schmüser.
Henry Strauss belegte am Saisonende punktgleich mit Milan Schmüser Rang vier der Gesamtwertung. Aufgrund der größeren Anzahl an Laufsiegen, die Schmüser bis zu seiner Verletzung eingefahren hatte, entschied er jdeoch den direkten Vergleich im Deutschen Duell für sich und sicherte sich damit den dritten Platz in der Meisterschaft.
Saisonfazit – Spannende Meisterschaft mit dominanten Champions
Mit dem Finale in Douai ging eine intensive Saison der FIM SuperEnduro World Championship zu Ende. Über den Winter hinweg lieferten sich die Fahrer in allen Klassen spektakuläre Rennen mit engen Positionskämpfen, zahlreichen Überholmanövern und technisch anspruchsvollen Strecken.
In der Prestige-Klasse setzte sich Billy Bolt erneut als dominierende Kraft durch und sicherte sich bereits vorzeitig den Weltmeistertitel. Dahinter kämpften Jonny Walker und Mitch Brightmore bis zum Saisonende um die weiteren Podiumsplätze der Meisterschaft.
Auch in den Nachwuchsklassen sorgten spannende Duelle für Aufmerksamkeit. Toby Shaw krönte sich in der Juniorenklasse zum Weltmeister, während Wojtek Walczak bereits vor dem Finale den Titel in der Youth-Kategorie sichern konnte. Der Europacup-Titel ging in dieser Saison an Eric Miguel.
Für die deutschen Fahrer gab es ebenfalls starke Ergebnisse: Milan Schmüser wurde trotz Verletzung dritter, Henry Strauss beendete die Saison in der Junioren-Weltmeisterschaft auf einem starken vierten Platz, während Florian Görner im Europacup Rang acht erreichte.
Damit endet eine abwechslungsreiche SuperEnduro-Saison, die erneut gezeigt hat, wie spektakulär und intensiv der Indoor-Endurosport auf höchstem Niveau sein kann. Nun richtet sich der Blick bereits auf die kommende Saison, in der die Fahrer erneut um Weltmeistertitel, Podiumsplätze und wertvolle Punkte kämpfen werden.
Foto: DG Design/Denis Günther (Archiv)







