FIM SuperEnduro Weltmeisterschaft in Bilbao: Bolt erneut unschlagbar auf technischer Strecke

Nur zwei Wochen nach dem WM-Lauf in Riesa macht die FIM SuperEnduro Weltmeisterschaft 2026 Station im spanischen Bilbao. Die Strecke in der Arena trägt deutlich die Handschrift von Alfredo Gomez, der am Layout mitgewirkt hat. Im Vergleich zu den bisherigen Stationen wartet der Kurs mit weniger Sprüngen, dafür mit zahlreichen engen und technisch anspruchsvollen Passagen, die den Fahrern höchste Präzision abverlangen.

Nicht mit dabei ist diesmal Manuel Lettenbichler, der nach dem Rennen in Riesa erkrankt war und auf den Start in Spanien verzichten muss. Für Josep Garcia könnte es hingegen der vorerst letzte Einsatz in dieser SuperEnduro-Saison sein – und das ausgerechnet vor heimischem Publikum, was für zusätzliche Motivation sorgen dürfte.

Eine Besonderheit des Wochenendes: Der Europacup ist in Bilbao nicht ausgeschrieben, wodurch sich das Teilnehmerfeld auf die WM-Klassen konzentriert. Die größten Chancen für die deutschen Fahrer liegen damit klar in der Juniorenklasse, in der vier von insgesamt 14 Startern aus Deutschland kommen. Mit Milan Schmüser, Henry Strauss, Fynn Hannemann und Felix Bähker ist das deutsche Aufgebot stark vertreten.

Auch in der Youth-Klasse gibt es eine deutsche Premiere: Max Eppelmann geht erstmals bei einem SuperEnduro-WM-Lauf an den Start. Der junge Fahrer ist erst in dieser Woche 14 Jahre alt geworden und damit startberechtigt für die Klasse.

Zeittraining: Bolt setzt Maßstab – Schmüser mit Ausrufezeichen

Im Zeittraining der Prestige-Klasse war Billy Bolt einmal mehr das Maß der Dinge und setzte die Bestzeit. Kurzzeitig wurde die Session jedoch nach einem Sturz von Mitch Brightmore unterbrochen, der für eine kurze Verzögerung sorgte. Mitch hat sich dabei die Schulter ausgekugelt aber versucht dennoch an den Start zu gehen.

Für ein echtes Ausrufezeichen aus deutscher Sicht sorgte Milan Schmüser in der Juniorenklasse. Seine gefahrene Bestzeit war derart stark, dass sie selbst im Feld der Prestige-Fahrer für Platz vier gereicht hätte – ein deutliches Signal im Hinblick auf die anstehenden Rennen.

Superpole Prestige: Bolt setzt sich erneut durch

Die Superpole der Prestige-Klasse eröffnete Toby Martin, der direkt ein Ausrufezeichen setzte und seine Zeit aus dem Zeittraining um rund zwei Sekunden verbessern konnte. Josep Garcia zeigte trotz kleiner Fehler eine starke Runde und war am Ende knapp 0,4 Sekunden schneller als Martin.

Olszowy und Vieira konnten dieses Tempo nicht ganz mitgehen und reihten sich dahinter ein. Anschließend übernahm Eddie Karlsson die Führung und sicherte sich damit mindestens einen WM-Punkt – ein starkes Ergebnis für Stark Varg.

Doch Jonny Walker konterte eindrucksvoll und setzte sich mit zwei Sekunden Vorsprung an die Spitze. Als letzter Fahrer ging Billy Bolt auf die Strecke und ließ einmal mehr keine Zweifel aufkommen: Mit einer Bestzeit von 34,7 Sekunden holte er sich souverän den Sieg in der Superpole.

Prestige Lauf 1: Bolt übernimmt nach Walker-Sturz – Stark Varg erneut auf dem Podium

Im ersten Prestige-Lauf erwischte Jonny Walker den perfekten Start und sicherte sich den Holeshot. Auch nach der ersten Runde führte der Brite das Feld an, vor Billy Bolt und Josep Garcia. Wie schon beim Lauf zuvor in Riesa versuchte Walker, dem hohen Druck standzuhalten und die Spitze möglichst lange zu verteidigen.

Garcia hielt sich zunächst stabil auf Rang drei, leistete sich jedoch im weiteren Rennverlauf einen Fehler, den Eddie Karlsson eiskalt nutzte und auf seiner Stark Varg vorbeiging. Rund drei Minuten vor Rennende kam es dann zur entscheidenden Szene: Walker stürzte, wodurch der Weg an die Spitze erneut frei war für Billy Bolt, der die Führung übernahm und nicht mehr abgab.

Aus deutscher Sicht zeigte Tim Apolle ein starkes Rennen auf der sehr technischen Strecke von Bilbao. Zeitweise lag er sogar auf Platz vier, musste im weiteren Verlauf jedoch etwas abreißen lassen und beendete den Lauf schließlich auf Rang sieben.

An der Spitze blieb es beim bekannten Bild: Bolt siegte vor Walker, während Karlsson mit Platz drei erneut ein starkes Resultat für Stark Varg einfuhr. Eine beeindruckende Leistung zeigte zudem Mitch Brightmore, der trotz Schulterverletzung kämpfte und sich einen starken vierten Platz sicherte.

Prestige Lauf 2: Bolt setzt sich erneut durch

Im zweiten Prestige-Lauf erwischte Mitch Brightmore einen perfekten Start und setzte sich direkt mit einem großen Vorsprung an die Spitze. In den ersten Rennminuten blieb das Feld überraschend ruhig, ohne größere Positionskämpfe im vorderen Bereich.

Rund vier Minuten vor Rennende spitzte sich das Rennen dann deutlich zu: Jonny Walker übernahm die Führung, dicht gefolgt von Billy Bolt, womit es erneut zum typischen Duell um den Laufsieg kam. Nur wenig später zog Bolt an seinem britischen Landsmann vorbei und setzte sich zwei Minuten vor Schluss endgültig an die Spitze.

Wie so oft ließ der Weltmeister anschließend nichts mehr anbrennen und fuhr ungeschlagen bis ins Ziel. Mitch Brightmore verteidigte seinen starken dritten Platz, mit dem am Nachmittag kaum jemand gerechnet hatte. Tim Apolle beendete den Lauf auf Rang zehn.

Prestige Lauf 3: Bolt vollendet perfektes Wochenende – Brightmore erneut auf dem Podest

Im dritten und letzten Prestige-Lauf erwischte Jonny Walker den besten Start und holte sich den Holeshot vor Billy Bolt. Mitch Brightmore machte früh Boden gut und lag bereits nach zwei Minuten auf Rang drei, womit sich schnell eine klare Spitzengruppe bildete.

Walker konnte seinen Vorsprung zunächst leicht ausbauen, blieb jedoch wenig später im Steinfeld hängen. Billy Bolt nutzte die Gelegenheit gewohnt konsequent, ging an seinem Landsmann vorbei und setzte sich erneut an die Spitze.

Auch im dritten Lauf ließ der britische Ausnahmefahrer nichts mehr anbrennen und fuhr souverän zum nächsten Laufsieg. Walker folgte auf Platz zwei, während Mitch Brightmore trotz seines Trainingssturzes ein weiteres Mal über sich hinauswuchs und erneut den dritten Rang belegte. Tim Apolle beendete den letzten Durchgang auf Platz neun.

In der Tageswertung setzte sich Billy Bolt vor Jonny Walker und Mitch Brightmore durch.

Junioren Lauf 1: Schmüser setzt sich durch – Strauss mit cleverem Auftakt

Im ersten Lauf der Juniorenklasse setzte sich Milan Schmüser direkt nach dem Start an die Spitze des Feldes. Fynn Hannemann erwischte hingegen einen schlechten Start und musste das Rennen von weiter hinten in Angriff nehmen.

Sehr aufmerksam agierte Henry Strauss, der aus der zweiten Startreihe startete. Er umfuhr geschickt den entstehenden Stau in den ersten Passagen und lag bereits nach der ersten Runde auf Platz sechs. Auch an der Spitze blieb es nicht fehlerfrei: Schmüser leistete sich einen Sturz, konnte seine Führung jedoch zunächst behaupten. Nach einem zweiten Sturz übernahm Puey kurzzeitig die Spitze, doch Schmüser blieb direkt am Hinterrad.

In der letzten Runde setzte Schmüser schließlich zum entscheidenden Angriff an, ging wieder in Führung und sicherte sich den Laufsieg. Henry Strauss überzeugte mit einer sehr klugen und kontrollierten Fahrweise und kämpfte sich aus der zweiten Startreihe bis auf einen starken vierten Platz nach vorne.

Henry Strauss

Junioren Lauf 2: Schmüser übernimmt die Kontrolle – Strauss bereits am Start ausgebremst

Der zweite Junioren-Lauf wurde im Reverse Grid gestartet, wodurch Felix Bähker und Henry Strauss aus der ersten Startreihe ins Rennen gingen. Den Holeshot holte Crayston, während Milan Schmüser in der Startphase innen blockiert wurde und dadurch zunächst nicht frei fahren konnte.

Henry Strauss kam zwar gut vom Gatter, wurde jedoch bereits direkt nach dem Start im ersten Abschnitt eingebremst und verlor dadurch mehrere Positionen. In dem dichten Feld fand er anschließend nur schwer in seinen Rhythmus.

Schmüser hatte sich dagegen bereits nach der ersten Runde auf Rang zwei nach vorne gearbeitet. Felix Bähker hielt sich lange stark auf Platz drei, ehe das Rennen zunehmend von Positionswechseln geprägt war. Rund vier Minuten vor Rennende übernahm Schmüser schließlich die Führung und brachte den Lauf souverän nach Hause.

Für Strauss blieb es trotz kämpferischer Leistung ein schwieriger Durchgang, den er auf Platz zehn beendete. Felix Bähker folgte nach starkem Beginn auf Rang elf.

Junioren Lauf 3: Schmüser siegt trotz Startsturz – Strauss stark in der Tageswertung

Der dritte Lauf der Juniorenklasse begann für Milan Schmüser mit einem Rückschlag: Direkt nach dem Start stürzte der Deutsche und musste das Rennen als Letzter aufnehmen. An der Spitze setzte sich zunächst Puey in Führung, während Henry Strauss sich früh auf Platz vier positionierte.

Schmüser startete eine eindrucksvolle Aufholjagd und hatte sich bereits nach drei Runden bis auf Rang sechs nach vorne gearbeitet. Währenddessen entwickelte sich an der Spitze ein enger Zweikampf zwischen Puey und Toby Shaw, die das Tempo hochhielten und zunächst keinen Fehler machten.

In der letzten Runde kam Schmüser jedoch bis an das Führungsduo heran. Als sich sowohl Puey als auch Shaw kleine Fehler erlaubten, nutzte der Deutsche seine Chance und ging an beiden vorbei, um sich doch noch den Laufsieg zu sichern.

Mit diesem Erfolg unterstrich Schmüser einmal mehr seine exzellente Form, holte trotz Startsturz erneut die Maximalpunktzahl und bestätigte seine Favoritenrolle. Henry Strauss beendete den Lauf auf Platz sechs und schloss den Abend mit Rang fünf in der Tageswertung ab.

Youth Lauf 1: Drama im Steinfeld – Eppelmann stark bei WM-Debüt

Im ersten Lauf der Youth-Klasse erwischte Max Eppelmann einen perfekten Start und holte sich den Holeshot bei seinem ersten WM-Auftritt. Doch bereits im ersten Steinfeld kam es zum Rückschlag: Eppelmann blieb gemeinsam mit Luca Kropitsch hängen, wodurch beide wertvolle Zeit verloren.

An der Spitze übernahm Wojtek Walczak das Kommando, dicht gefolgt von Connor Watson. Für Kropitsch nahm das Rennen wenig später eine bittere Wendung: Im großen Steinfeld stürzte der Österreicher, verletzte sich dabei und musste das Rennen vorzeitig beenden – damit dürften sich seine Meisterschaftshoffnungen erledigt haben.

Max Eppelmann ließ sich davon nicht entmutigen und zeigte ein starkes Debüt. Mit einer konstanten Leistung kämpfte er sich wieder nach vorne und beendete seinen ersten WM-Lauf in der Youth-Klasse auf einem beachtlichen vierten Platz.

Youth Lauf 2: Watson mit Start-Ziel-Sieg

Im zweiten Lauf der Youth-Klasse ging Luca Kropitsch trotz seiner Verletzung aus dem ersten Durchgang erneut an den Start. Den Holeshot sicherte sich Connor Watson, während Wojtek Walczak im ersten Steinfeld einen Fehler machte und wertvolle Zeit verlor.

Kropitsch zeigte großen Kampfgeist und setzte alles daran, seinen Ausfall aus Lauf 1 zu kompensieren. Zwischenzeitlich arbeitete er sich bis auf Rang vier nach vorne. Walczak kam zwar wieder auf, stürzte jedoch erneut, als er am Hinterrad von Martinez lag, und fiel dadurch weiter zurück.

An der Spitze fuhr Watson ein beeindruckendes Rennen und überrundete das Feld bis einschließlich Platz vier. Max Eppelmann zeigte erneut eine starke Leistung und beendete den Lauf auf Platz sechs.

Den Tagessieg sicherte sich souverän Connor Watson. Max Eppelmann wurde Tagesvierter.

Fazit: Anspruchsvolle Strecke sorgt für spannende Rennen – Weiter geht es in Budapest

Der WM-Lauf in Bilbao bot den Fahrern eine der technisch anspruchsvollsten Strecken der bisherigen Saison. Mit vielen engen Passagen, wenig Sprüngen und langen Steinfeldern verlangte der von Alfredo Gomez mitgestaltete Kurs höchste Konzentration und saubere Linienwahl. Fehler wurden sofort bestraft, was sich in allen Klassen deutlich zeigte.

In der Prestige-Klasse war Billy Bolt erneut das Maß der Dinge und gewann alle drei Läufe. Dahinter sorgten Jonny Walker und Mitch Brightmore für packende Duelle, während Tim Apolle als einziger deutscher Starter mit soliden Platzierungen wichtige WM-Erfahrung sammelte.

Die Juniorenklasse bot aus deutscher Sicht erneut starke Leistungen. Milan Schmüser bestätigte seine herausragende Form mit mehreren Laufsiegen, darunter eine beeindruckende Aufholjagd vom letzten Platz. Henry Strauss zeigte konstante Rennen und unterstrich mit einer starken Tageswertung seine positive Entwicklung.

In der Youth-Klasse stand mit Connor Watson ein verdienter Tagessieger fest, während Max Eppelmann bei seinem WM-Debüt mit soliden Platzierungen überzeugte. Pech hatte dagegen Luca Kropitsch, der nach seinem Sturz im ersten Lauf trotz großem Einsatz seine Titelchancen einbüßte.

Nach dem dritten Saisonlauf richtet sich der Blick nun nach vorne: Bereits in zwei Wochen geht die FIM SuperEnduro Weltmeisterschaft in Budapest weiter – dort wird neben den WM-Klassen auch der Europacup wieder Teil des Programms sein.

Foto: DG Design/Denis Günther, Carmen Strauss

Denis Guenther
Denis Guenther
Denis Günther ist der Kopf vom motorsport-life.com Network. Seit 2003 hauptberuflich im Motorsport tätig ist er auf allen Rennstrecken in Europa zuhause. Egal ob Tourenwagen oder Endurosport, in allen Bereichen ist er der Experte.