FIM Superenduro WM: Billy Bolt und Milan Schmüser dominieren beim Auftakt in Gliwice

Mit dem Auftakt in der polnischen Stadt Gliwice startete die FIM SuperEnduro Weltmeisterschaft 2026 in eine neue Saison. Das Austragungsland erwies sich dabei nicht nur als traditionsreich, sondern auch als gut erreichbar für die zahlreichen deutschen Teilnehmer. Insgesamt 19 deutsche Fahrer stellten sich der internationalen Konkurrenz in einem Rekordfeld von 100 Startern, verteilt auf die Klassen Prestige, Junior, Youth und Europacup.

Aufgrund des hohen Teilnehmeraufkommens endete für viele Piloten das Rennen jedoch bereits nach dem Last Chance Qualifying, da pro Klasse lediglich 14 Fahrer den Einzug in die Finalläufe schafften.

Vier deutsche Fahrer im Europacup-Finale

Das zahlenmäßig größte deutsche Aufgebot stellte der Europacup. Mit Edward Hübner, Florian Görner, Pascal Sadecki und Arvid Meyer qualifizierten sich gleich vier deutsche Fahrer für die beiden Finalläufe. Im ersten Durchgang hatten die Deutschen jedoch wenig Glück: Alle vier wurden in einen Sturz verwickelt und konnten anschließend nur noch die Plätze 10 bis 13 belegen. Den Sieg sicherte sich Eric Miguel (Spanien).

Im zweiten Lauf des Europacups setzte sich zunächst Zsigovits an die Spitze des Feldes, leistete sich im weiteren Rennverlauf jedoch einen entscheidenden Fehler. Davon profitierte erneut Eric Miguel (Spanien), der die Führung übernahm und sich auch den Sieg im zweiten Durchgang sicherte. Mit zwei Laufsiegen krönte sich Miguel damit zum verdienten Tagessieger in Gliwice.

Aus deutscher Sicht zeigte Florian Görner ein starkes Rennen und lag lange Zeit auf Rang vier. Ein Fehler in der Schlussphase warf ihn jedoch noch auf Platz sechs zurück. In der Tageswertung bedeutete dies dennoch einen guten neunten Gesamtrang, womit Görner als bester deutscher Fahrer des Europacups gewertet wurde.

Pascal Sadecki beendete den Lauf auf Platz elf, Edward Hübner wurde 13., Arvid Meyer komplettierte das deutsche Ergebnis mit Rang 14.

Youth: Heimsieg für Walczak begeistert polnische Fans

In der Youth-Klasse durfte sich das polnische Publikum über einen Heimerfolg freuen. Wojtek Walczak setzte sich vor heimischer Kulisse durch und sicherte sich den Tagessieg, was in der Arena für großen Jubel sorgte. Luca Kropitsch belegte den zweiten Platz, gefolgt von Connor Watson, der das Podium als Dritter komplettierte.

Milan Schmüser dominiert die Juniorenklasse

In der Juniorenklasse setzte Milan Schmüser ein deutliches Ausrufezeichen. Der amtierende Meister der AUNER HardEnduroSeries Germany gilt als einer der Top-Favoriten der Saison – und steht zudem vor seiner letzten Chance auf den Junioren-Weltmeistertitel. Die Juniorenklasse wurde in dieser Saison erstmals von einem Cup zu einer offiziellen Weltmeisterschaft aufgewertet, womit Schmüser Geschichte schreiben könnte.

Der Beta-Pilot ließ im ersten Lauf keine Zweifel aufkommen: Mit einem perfekten Holeshot setzte er sich sofort an die Spitze und fuhr ein souveränes Rennen ohne ernsthafte Gegenwehr. Am Ende stand ein überlegener Sieg mit 23 Sekunden Vorsprung.

Auch die weiteren deutschen Fahrer überzeugten: Maximilian Spieß lag zwischenzeitlich sogar auf Rang zwei, fiel jedoch im Rennverlauf auf Platz 10 zurück, den er knapp vor Fynn Hannemann verteidigte. Der Europameister des Vorjahres, der nun in die Juniorenklasse aufgestiegen ist und fürs Superenduro ins Team von Alfredo Gomez gewechselt ist, hatte sich im Training bei einem Sturz die Hand angeschlagen. Henry Strauss zeigte einen unauffälligen, aber konstanten Lauf und profitierte von Fehlern der Konkurrenz, wodurch er sich aus der zweiten Startreihe noch auf einen starken sechsten Platz nach vorne arbeitete.

Der zweite Lauf der Juniorenklasse wurde im Reverse Grid gestartet, wodurch die Karten im Vergleich zum Auftaktlauf neu gemischt wurden. Henry Strauss erwischte aus der ersten Startreihe einen schlechten Start und fiel früh weit zurück. Wie bereits im ersten Durchgang zeigte er jedoch eine starke Aufholjagd und kämpfte sich erneut bis auf Rang sieben nach vorne.

Zunächst übernahm Maximilian Spieß die Initiative und führte das Rennen über weite Strecken an. Auch Fynn Hannemann mischte zeitweise vorne mit, musste jedoch ebenso wie Spieß im weiteren Rennverlauf Fehler hinnehmen und Plätze abgeben. Milan Schmüser blieb davon unbeeindruckt: Der Beta-Pilot übernahm in der letzten Runde erneut die Führung und sicherte sich mit einem abgeklärten Auftritt seinen zweiten Laufsieg des Abends.

Auch im dritten Lauf der Juniorenklasse ließ Milan Schmüser keinen Zweifel an seiner derzeitigen Überlegenheit. Mit einem weiteren Holeshot setzte er sich sofort an die Spitze und machte früh alles klar. Unangefochten fuhr der Deutsche einem ungefährdeten Sieg entgegen und gewann den Lauf mit rund zehn Sekunden Vorsprung.

Mit drei Laufsiegen sicherte sich Schmüser die Maximalpunktzahl des Wochenendes und einen perfekten Start in die neue Saison. In der Gesamtwertung belegte Ramon Godino den zweiten Platz, Toby Shaw komplettierte das Podium als Dritter.

Milan Schmüser Foto: Thorsten Horn

Aus deutscher Sicht rundeten Henry Strauss mit Rang sieben, Fynn Hannemann auf Platz elf sowie Maximilian Spieß als Zwölfter den Saisonauftakt in Gliwice ab.

Billy Bolt erneut das Maß der Dinge in der Prestige-Klasse

Die Prestige-Klasse präsentierte sich in Gliwice besonders hochkarätig. Mit Billy Bolt, Manuel Lettenbichler und Josep Garcia standen gleich drei Weltmeister am Start. Ergänzt wurde das starke Feld durch die Brightmore-Brüder, AMA EnduroCross Champion Jonny Walker sowie Eddie Karlsson, was auf eine äußerst spannende Saison hindeutet.

Die Superpole ging erneut an Billy Bolt, der sich nach Rang drei im Zeittraining in der entscheidenden Phase steigerte und die Bestzeit setzte – begünstigt auch durch einen kleinen Fehler von Jonny Walker.

Im ersten Finalrennen dominierte Bolt das Geschehen an der Spitze. Dahinter entwickelte sich jedoch ein echter Krimi: Mitch und Ashton Brightmore lieferten sich ein intensives Duell, während Walker nach schwachem Start eine beeindruckende Aufholjagd zeigte. Kurz vor dem Ziel kam es beim Angriff auf Ashton Brightmore zu einem Sturz, bei dem beide Fahrer zu Boden gingen. Ashton konnte sein Motorrad rechtzeitig wieder aufnehmen und sich noch Platz drei sichern, während Walker Rang vier an Eddie Karlsson verlor, der von der Situation profitierte.

Manuel Lettenbichler beendete den Lauf hinter Josep Garcia auf Platz sieben, Tim Apolle komplettierte das deutsche Ergebnis mit Rang zwölf.

Im zweiten Lauf der Prestige-Klasse sicherte sich Viera den Holeshot, während Jonny Walker von Beginn an der bestplatzierte Fahrer aus der Spitzengruppe war. Ab Runde drei setzte sich der Brite an die Spitze, dicht verfolgt von Billy Bolt. Trotz eines Sturzes blieb Bolt ohne Positionsverlust und hielt den Druck hoch.

Hinter dem Führungsduo etablierte sich Ashton Brightmore auf Rang drei. An der Spitze ließ sich Walker nicht mehr verdrängen und feierte nach langer Zeit wieder einen viel umjubelten Laufsieg, vor Billy Bolt. Manuel Lettenbichler beendete den Lauf auf Platz elf, Tim Apolle wurde Zwölfter.

Vor dem entscheidenden dritten Lauf des Tages war damit wieder alles offen: Walker rückte in der Gesamtwertung auf Rang zwei vor, direkt vor Ashton Brightmore und Mitch Brightmore, wodurch die Ausgangslage für das Finale maximale Spannung versprach.

Der dritte und entscheidende Lauf der Prestige-Klasse begann turbulent: Bereits am Start kam es zu einem Sturz beider Brightmore-Brüder, wobei sich Ashton Brightmore erneut am Knie verletzte. Billy Bolt nutzte die Situation konsequent und setzte sich direkt vom Feld ab.

Hinter Bolt etablierten sich zunächst Eddie Karlsson auf Rang zwei und Josep Garcia auf Platz drei. Jonny Walker startete erneut von weiter hinten, zeigte jedoch eine beeindruckende Aufholjagd und schob sich rund zwei Minuten vor Rennende auf Rang zwei nach vorne. Karlsson behauptete jedoch den dritten Platz und sorgte damit für ein starkes Ergebnis für Stark Varg, das ihm zugleich Gesamtrang drei in der Tageswertung einbrachte.

Ein weiterer Sturz von Mitch Brightmore entschied schließlich auch die Tageswertung: Walker rückte auf Platz zwei vor, hinter dem erneut dominierenden Billy Bolt, der sich den Tagessieg sicherte. Manuel Lettenbichler zeigte im letzten Lauf eine klare Leistungssteigerung und belegte Platz fünf. Über die drei Läufe hinweg verbesserte er sich deutlich und beendete den Tag auf Gesamtrang acht, während Tim Apolle den Auftakt auf Platz zwölf abschloss.

Manuel Lettenbichler (Foto: Future7Media)

Der Auftakt der FIM SuperEnduro Weltmeisterschaft 2026 in Gliwice bot spannende, abwechslungsreiche und hochklassige Rennläufe in allen Klassen und machte deutlich Lust auf mehr. Besonders die starke deutsche Präsenz sowie die packenden Duelle in der Prestige- und Juniorenklasse unterstrichen das hohe sportliche Niveau der Serie.

Der nächste Lauf der SuperEnduro-Weltmeisterschaft findet am 03. Januar 2026 in Riesa statt, wo sich zeigen wird, ob die Favoriten ihre Form bestätigen können oder neue Herausforderer in den Titelkampf eingreifen.

Fotos: Future7Media & Thorsten Horn

Denis Guenther
Denis Guenther
Denis Günther ist der Kopf vom motorsport-life.com Network. Seit 2003 hauptberuflich im Motorsport tätig ist er auf allen Rennstrecken in Europa zuhause. Egal ob Tourenwagen oder Endurosport, in allen Bereichen ist er der Experte.